Musik

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(griechisch-lateinisch)

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Musik?

Musik ist die Kunst der gezielten Erzeugung von Klängen mittels Stimme oder eines Musikinstruments. Musik entsteht, wenn eine geistige Idee und akustisches Material sich zu einer Gestalt verbinden: Einzelne Töne treten zueinander in ein Verhältnis und folgen bestimmten Gesetzmäßigkeiten: Das Zusammenklingen zweier Töne unterschiedlicher Höhe ergibt ein Intervall; das Aufeinanderfolgen von Tönen eine Melodie, die Verknüpfung von beiden den mehrstimmigen Satz. Ein weiteres Merkmal der Musik ist ihr zeitlicher Ablauf, der durch Metrum und Rhythmus gegliedert ist. Festgehalten werden kann Musik durch die Notenschrift (siehe Notation). Musik kann improvisiert sein, durch Fantasieren entstehen und als Interpretation eines in Notenschrift fixierten Werks, einer so genannten Komposition erklingen.

Bei den Griechen war "musiké" eine allgemeine Bezeichnung für die Betätigung des Geistes im Gegensatz zur Gymnastik. Musik hatte zunächst ihrer Grundfunktion nach kultischen Charakter. Ihr wurde magische Kraft zugesprochen. Mit Singen und Spielen versuchten Menschen, mit übersinnlichen Kräften Kontakt aufzunehmen und sie beherrschbar zu machen. Erst in einer zweiten Entwicklungsstufe löste sich das Musizieren von der magischen Sphäre und öffnete sich für die diesseitige Lebenswelt: Kriegs- und Liebeslieder entstanden, beibehalten blieb allerdings der rituelle Charakter der Musik.

Das christliche Mittelalter betonte die Göttlichkeit von Musik und bezog die Rechtfertigung für den Alleinanspruch auf sie und ihre Dienstbarmachung innerhalb des Gottesdienstes aus der Heiligen Schrift. Der liturgische Gesang, seit Papst Gregor dem Großen weitgehend vereinheitlicht, ist wesentlicher Bestandteil des Gottesdienstes.

Erst neuzeitliche Definitionen von Musik rücken Mensch, Natur und Empfindung in den Vordergrund. Einige Worte dazu von Persönlichkeiten des 18. und 19. Jh.s:

Der Dichter und Volksliedsammler Johann Gottfried Herder (1744-1803): "Musik ist Natur in Sprache der Leidenschaft" und "Zaubersprache der Erfindung".

Der Musiktheoretiker Heinrich Christoph Koch (1749-1816): Musik ist "die Kunst, durch Töne Empfindungen auszudrücken".

Der Musikpädagoge Hans Georg Nägeli (1773-1836): "Spiel ist ihr Wesen."

Der Musikkritiker Eduard Hanslick (1825-1904): Musik ist "tönend bewegte Form".

Weiteres zur Geschichte der Musik siehe Musikgeschichte.

2. Woher kommt Musik?

Fast selbstverständlich ist es für unser Geschichtsbild, dass die Herkunft vieler kultureller Ausdrucksformen in der griechischen Antike (800-300 v.Chr.) zu suchen ist. Das legen schon viele Begriffe nahe, die auch heute noch in der Musikwelt verwendet werden:

Choros (Chor) = Reigen.

Orchesis (Orchester) = Tanzplatz, Spielfläche auf dem Theater.

Melos (Melodie) = den Klang in der Musik betreffend, unterteilt es sich weiter in

Logos (Wort), Harmonia (Aufeinanderfolge der Töne) und Rhythmos (Bewegungsordnung).

Der Begriff "musiké" umfasst die Bereiche Dichtung und Tanz. Zunächst ist Dichtung und Musik im Erklingen als eine Einheit zu sehen. Die klassische Tragödie und ihre Sprachrhythmen nehmen Bezug auf den Tanz, der wiederum in enger Verbindung mit dem Chor (siehe oben) steht.

Die griechische Musik kennt keine Mehrstimmigkeit in unserem Sinn, selbstständige Instrumentalmusik war beschränkt auf solistisches Spiel. Sie besitzt ein Tonsystem (Kirchentonarten, Tetrachord) sowie eine heute nicht mehr eindeutig lesbare Notation. Die griechische Musiktheorie bildete die Grundlage für unser abendländisches Tonsystem.

Theoretiker: Pythagoras, Plato, Aristoteles.

Dichter: Homer ("Ilias"), Sappho (Natur- und Liebeslieder), Pindar (Oden), Anakreon (Trink- und Liebeslieder), Sophokles, Euripides (Dramen), Aristophanes (Lustspiele).

Natürlich liegen aber auch von allen alten Hochkulturen wie denjenigen in China oder im vorderen Orient (Babylon, Ägypten) Zeugnisse musikalischer Betätigung wie Instrumentenfunde oder Abbildungen von Instrumenten und musizierenden Menschen vor. Der griechischen Musik der Antike kommt übrigens eine wichtige Vermittlerfunktion (Tonsysteme, Tonleitern, Musikinstrumente) zwischen den genannten asiatischen Hochkulturen und unserer abendländischen Kultur zu.

Auch bei Naturvölkern war Musik auf einer sehr einfachen Stufe in der Sphäre des Rituellen und Magischen üblich.

In Mittel- und Nordeuropa zeugen archäologische Funde von Tierhörnern und Luren aus der Bronzezeit von verbreiteter Musikpflege. Die ältesten literarischen Dokumente gehen auf das ausgehende 9. Jh. zurück. Dazu gehören die im 12. Jh. erstmals notierte "Edda" sowie die Heldenepen der "Völsunge-Saga" und das "Nibelungenlied", in denen mehrfach die [[Harfe|]]Harfe als Begleitinstrument Erwähnung findet. Wesentlich älter ist das finnisch-estische Epos der "Kalevala", das aus der Zeit um Christi Geburt stammt und wie alle anderen genannten Epen auf Melodieformeln und Rezitationstöne gesungen bzw. vorgetragen wurde.

3. Was ist das Besondere an Musik?

Das Besondere an der Musik ist wohl ihre Immaterialität und ihre Vergänglichkeit. Wenn wir Musik hören wollen, muss sie immer wieder von neuem erzeugt werden. Gleichzeitig verklingt sie im Moment ihrer Entstehung. Diese Eigenschaften lassen sie unter den Künsten eine bedeutende Sonderstellung einnehmen. Ein Gemälde von Rembrandt, eine Statue von Michelangelo oder ein literarischer Text sind materiell vorhanden. Der Betrachter oder Leser kann jederzeit mit ihnen in Kontakt treten. Musik jedoch muss zum Erklingen gebracht werden. Das hat sich auch mit der Entstehung einer Methode, Musik zu notieren (Notation) nicht geändert. Erst mit der Möglichkeit, Musik zu speichern und mit technischen Mitteln zu reproduzieren, ist das "Hier und Jetzt" von erklingender Musik zu einer jederzeit wiederholbaren Kunstform erweitert worden - ein Vorgang, bei dem allerdings auch der Verlust der "Aura" und der Einzigartigkeit von Musik gesehen werden muss (vergleiche "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" von Walter Benjamin).

===4. Welche Arten von Musik gibt es?

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Die Frage nach den Arten von Musik beinhaltet immer auch diejenige nach ihrer Funktion. Wenn wir eine Einteilung in Kunstmusik, Unterhaltungsmusik und Volksmusik vornehmen, geschieht das genauso wie bei einer anderen, sehr problematischen Einteilung in E-Musik, also "ernste Musik", und U-Musik, also "Unterhaltungsmusik". Gerne lassen wir uns heute von Musik einfach nur unterhalten, schalten das Radio oder den Fernseher an, hören nebenbei zu oder lassen uns von eingängigen Melodien in einem Galakonzert mitreißen. Mannigfaltig sind die Gelegenheiten, in denen Musik auf uns einwirkt: Im Supermarkt und U-Bahnhöfen werden wir durch stimmungsbeeinflussende Hintergrundmusik berieselt, in Lokalen und Diskotheken wählen wir schon etwas genauer aus, welche Art von Musik uns einen Abend lang vergnüglich erscheint.

Aber viele Musik ist im mehr oder weniger Verborgenen kunstvoll gebaut, so dass es sich lohnen kann, genauer hinzuhören: beispielsweise bei Werken, die im Konzertsaal oder im Opernhaus dargeboten werden, und die oft gar nicht so "ernst" sind, wie es auf das erste Hinhören scheint. Da diese Kompositionen (Opern, Symphonien, Kammermusik, Lieder usw.) von Künstlern in oft mühevoller, entbehrungsreicher Arbeit geschaffen wurden und sie kunstvoll nach Regeln gebaut sind, sprechen wir von Kunstmusik. Zur Kunstmusik gehört auch der gesamte Bereich der rituellen Musik zur feierlichen Ausgestaltung des christlichen Gottesdienstes (Messe, Motette, Oratorium usw.). In der Musik entstand in der Epoche der Aufklärung (um 1800) eine andere "Religion", nämlich eine Kunstauffassung, die die Musik selbst zum anbetungswürdigen Kunstwerk erhob. Seitdem entdeckte das neu entstehende bürgerliche Musikpublikum die Auseinandersetzung mit der Musik, die allein um ihrer selbst Willen stattfand und sich vor allem auf Werke bezog, die als reine Konzertmusik angesehen wurden und frei von irgend einer weiteren Funktion waren.

Volksmusik, also diejenige Musik, die im Volk prinzipiell von jedem einzelnen praktiziert werden kann (Lied, Gassenhauer, Musik der Spielleute, Schaustellermusik auf Jahrmärkten, Tanzmusik), hat eine jahrhundertealte Tradition, die lange Zeit auf mündlicher Weitergabe von Melodien und Liedertexten beruhte. Erst seit dem Historismus des 19. Jh.s und der wachsenden Bildung in größeren Kreisen der Bevölkerung setzte sich auch die schriftliche Aufzeichnung von Volksmusik durch. Volksmusik ist immer in ihrer Funktion gebunden: Liebes-, Hochzeits-, Arbeits-, Wander-, Heimat- und Kinderlieder, Lieder im jahreszeitlichen Festkreis, Tänze usw.

Berührungspunkte zwischen Volks- und Kirchenmusik bestehen beispielsweise in geistlichen Volksliedern der christlichen Festtage, die keinen liturgischen Text besitzen, aber dennoch (meist auf sehr volksnahe Weise) geistliche Inhalte transportieren. Ein anderes Beispiel für die Nähe von Kunst- und Volksmusik wäre in vielen Tanzkompositionen wie Ländlern und Deutschen Tänzen von J. Haydn,F. Schubert u.a. zu sehen.

5. Wann sprechen wir von "klassischer" Musik?

Der Altertumsforscher Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) bezeichnete einmal die Kunst der Antike als klassisch ("edle Einfalt und stille Größe"). Er erblickte in ihr ein ideales Gleichgewicht von Form und Inhalt sowie von Gefühls- und Verstandeskräften - Eigenschaften, die alsbald auch der Musik der Wiener "Klassiker" Haydn, W.A. Mozart und L. van Beethoven zugesprochen wurden. Allgemein bedeutet klassisch so viel wie mustergültig, wahr, schön, voll Harmonie, gleichzeitig aber auch einfach verständlich. Deshalb nennen wir die Vokalpolyphonie von Komponisten wie Giovanni Pierluigi da Palestrina ebenfalls "klassisch".

Besonders über den Aspekt des Mustergültigen ist es heute üblich, als "klassische Musik" alles das zu bezeichnen, was zum "Klassiker", also zum die Zeiten überdauernden Kunstwerk geworden ist. Dazu gehört im Prinzip, ausgehend von den ersten mehrstimmigen Kompositionen aus dem 12. Jh., die gesamte Kunstmusik der darauf folgenden Jahrhunderte, also die Messen G. Dufays, die großen Prachtopern des 17. Jh.s, Haydns Streichquartette, Schuberts Lieder, A. BrucknersSymphonien, aber ebenso viele anspruchsvolle Werke der Unterhaltungsmusik des 20. Jh.s wie die Operetten eines E. Kálmán oder die unsterblichen Musicalmelodien von L. Bernstein und A.L. Webber. Vielleicht gehören die Beatles ja insgeheim auch schon dazu?!

6. Wer beschäftigt sich mit Musik?

In unserer heutigen arbeitsteilig organisierten Welt ist auch die Beschäftigung mit Kunst und Musik auf ähnliche Weise geregelt (von Überschneidungen einmal abgesehen): Gegenüber stehen sich ausübender Musiker (Produzent) und Hörer (Rezipient). Daneben existieren die Bereiche der Musikorganisation, die sich auf die Vermittlung der Musik durch Orchester, Opernhäuser, Tonträger, Musikpublizistik usw. erstreckt, der Musikpädagogik, also der Weitergabe von theoretischem und praktischem Wissen, sowie der Musikwissenschaft, die sich vor allem mit Geschichte und Theorie der Musik befasst.


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